Bereit für die Zukunft deines Zuhauses?
Beratung starten

Ist eine Hoch­tem­peratur-Wär­mepumpe für Altbauten sinnvoll?

Mit einer Hochtemperatur-Wär­mepumpe bekommst du einen Altbau warm, ohne ihn vorher sanieren zu müssen. Doch was bedeutet das für deine Heiz­kos­ten? Hier erfährst du, welche Vor- und Nachteile eine Hochtempe­ra­tur-Wärmepumpe hat und warum du vielleicht gar keine brauchst.

Das solltest du über Hochtem­pe­ratur-Wärme­pumpen wissen

Die Hochtemperatur-Wärmepumpe – Ein Heiz­system mit Höhen und Tiefen

✅ Was für eine Hochtempe­ratur-Wärmepumpe spricht:

Sie macht es möglich, auch ei­nen kaum sanierten Altbau mit einer Wärmepumpe zu beheizen. Weitere Kosten für Dämmung, Fenstertausch oder den Einbau einer Fußbodenheizung bleiben aus. Der Wechsel von einer Öl- oder Gasheizung ist dadurch schnell gemacht. Dabei profi­tierst du auch von der derzeit hohen staatlichen Förderung.

❌ Was bei einer Hochtempe­ra­tur-Wärmepumpe problema­tisch ist:

Die Anschaffungskosten sind hoch. Und – anders als bei her­kömmlichen Wärmepumpen – fallen auch die Heizkosten höher aus als bei ihren Kollegen. Denn um auf hohe Vorlauftemperaturen zu kommen, braucht eine Hoch­temperatur-Wärmepumpe eini­ges an Strom. Je mehr sie leistet, desto höher ist auch die Wahr­scheinlichkeit von frühzeitigem Verschleiß.

Aspekte Vorteile Nachteile
Anschaffungskosten kein zusätzlicher Wärmeerzeuger erforderlich ➢ keine zusätzlichen Kosten hohe Anschaffungskosten
Anschaffung und Einbau werden mit bis zu 70 % vom Staat gefördert
Betriebskosten lässt sich mit PV-Anlage kombinieren ➢ geringere Energiekosten weniger effizient als herkömmliche Wärmepumpe ➢ höhere Stromkosten
Vorlauftemperatur kann Vorlauftemperaturen von über 55 Grad Celsius bereitstellen andere Heizsysteme kommen wirtschaftlicher auf hohe Vorlauftemperaturen
eignet sich gut für Austausch von Öl- oder Gasheizung hohe Leistung kann Lebensdauer der Wärmepumpe mindern
Altbau-Eignung Wärmedämmung muss nicht verbessert werden verzichtest du auf Wärmedämmung, verschwendest du Energie
vorhandene Heizkörper können weitergenutzt werden
Schornstein ist nicht (mehr) erforderlich
Öko-Bilanz ist umweltschonender als fossile Heizsysteme
Schwarz-weiße Wärmepumpe vor sandfarbenem Altbau
Eine Hochtemperatur-Wärmepumpe eignet sich fürs Heizen eines Altbaus. | Foto: Hermann – stock.adobe.com

Was ist eine Hochtemperatur-Wärmepumpe?

Hochtemperatur-Wärmepumpen kön­nen Vorlauf­tem­­pe­ra­turen von mehr als 55 Grad Celsius liefern. Dafür besitzen sie größere Verdichter und teils zusätz­liche Bauteile. Manche arbeiten mit Kältemitteln, die schon bei gerin­gem Druck viel Wärme aufnehmen können.

Teilweise wird noch einmal in Mittel- und Hochtemperatur-Wärmepumpen unterschieden. Mitteltemperatur-Wärmepumpen kommen auf Vor­lauf­temperaturen zwischen 55 und 80 Grad Celsius. Als Hochtempe­ra­tur-Wärmepumpen gelten dann nur solche, die mindestens 80 Grad Celsius schaffen. Letztere kommen vorrangig in der Industrie zum Ein­satz. Für die direkte Wärmeversor­gung von Wohngebäuden reichen Vorlauftemperaturen im mittleren Bereich.

Wie eine Wär­me­pumpe Was­ser warm wer­den lässt

Die Wärmepumpe erhitzt, Heizwasser auf ein be­stimmtes Temperaturniveau – die sogenannte Vorlauftemperatur. Das Wasser fließt dann über Rohrleitungen zu den Heiz­flächen, welche die Wärme an die Räume abgeben. Der energeti­sche Zustand des Hauses und die Art der Heizflächen – Heizkörper oder Fußbodenheizung – entschei­den darüber, wie hoch die Vor­lauftemperatur ausfallen muss.

Je schlechter ein Gebäude ge­dämmt ist und je kleiner die wär­meübertragenden Flächen sind, desto heißer muss das Heizwasser sein. Mit einer herkömmlichen Wär­mepumpe eine hohe Vorlauftempe­ratur zu erreichen, ist jedoch ineffizient und ab einem gewissen Grad technisch nicht realisier­bar.

Der Grund hierfür liegt in der Funk­tionsweise der Wärmepumpe:

  • Die Wärmepumpe entnimmt einer Umweltquelle (Luft, Erde oder Grundwasser) Wärme­ener­gie.
  • Diese Wärme überträgt sie mit­tels eines Wärmetauschers (Verdampfer) auf ein flüssiges Kältemittel. Das Kältemittel wird daraufhin gasförmig.
  • Als Gas gelangt es dann zu ei­nem Kompressor (Verdichter). Dieser wird durch Strom ange­trie­ben und übt Druck auf das Kältemittel aus, damit es zu­sätzliche Wärme aufnimmt. Dies tut er solange, bis die be­nötigte Vorlauftemperatur er­reicht ist.
  • Ein zweiter Wärmetauscher (Verflüssiger) überträgt die Wärme dann auf das Heizwas­ser. Dadurch kühlt sich das Kältemittel ab und wird wieder flüssig.
  • Nachdem es am Entspan­nungs­ventil dekomprimiert wurde, durchläuft es den Kreislauf erneut.
Funktionsprinzip einer Wärmepumpe
Je höher die vom Wärmeverteilsystem geforderte Vorlauftemperatur ist, desto mehr Strom ist nötig, um den Unterschied zur Quelltemperatur zu überwinden. | Grafik: Bundesverband Wärmepumpe e.V.

Warum Hoch­tem­peratur-Heiz­wasser Wärmepum­pen herausfordert

In vielen Altbauten verlangt das Heizsystem schon bei moderaten Außentemperaturen nach Vorlauf­tem­peraturen von 65 Grad Celsius und mehr. Sinken die Temperaturen draußen in den Minusbereich, stei­gen die Wärmeverluste und mit ihnen die benötigte Vorlauftempe­ra­tur. In extremen Fällen geht sie auf über 90 Grad Celsius hoch.

Die Gründe:

  • Oft fehlt es in Altbauten an aus­reichender Dämmung. Da­durch geht viel Wärme durch Wände, Dach und Boden verlo­ren. Um die Wärmeverluste aus­zugleichen, muss viel und häufig nachgeheizt werden.
  • Zur Übertragung der Wärme dienen meist Heizkörper. Diese haben nur eine kleine Übertra­gungsfläche. Sie brauchen da­her sehr heißes Wasser, um ausreichend Wärme abgeben zu können.

Für eine Standard-Wärmepumpe ist eine Vorlauftemperatur von 65, 70 oder mehr Grad jedoch nicht zu schaf­fen. Denn je höher die Vorlauf­temperatur, desto größer ist der Temperaturhub, den sie zu überwin­den hat. Dabei handelt es sich um den Abstand von der Vorlauf- zur Quelltemperatur.

Bei Wasser-Wasser-Wärmepumpen und mit Erdwärmesonden arbeiten­den Sole-Wasser-Wärmepumpen liegt die Quelltemperatur auch im Winter bei rund 10 Grad Celsius. Luft­wärmepumpen und Sole-Wasser-Wärmepumpen mit Flächenkollekto­ren bekommen es an sehr kalten Tagen dagegen auch schon einmal mit Minustemperaturen zu tun.

Je niedriger die Quelltemperatur und je höher die Vorlauftemperatur ist, desto stärker muss das Kälte­mittel komprimiert werden. Dabei geraten jedoch sowohl viele Kälte­mit­tel als auch einige Bauteile schnell an ihre Grenzen. Vorlauftem­peraturen von über 55 Grad Celsius bereitzustellen, ist daher für eine Standard-Wärmepumpe technisch meist nicht möglich.

🎧 Noch mehr Informationen zu Hoch­temperatur-Wärmepumpen bei uns im Podcast:

Varianten der Hochtemperatur-Wärmepumpe

Da jedoch hohe Vorlauftemperaturen in verschiedenen Bereichen ge­braucht werden, entwickelten Wär­me­­pum­penhersteller Modelle, die in der Lage sind, diese zu liefern: Hoch­temperatur-Wärmepumpen. Je nach Bauart kommen sie auf bis zu 120 Grad Celsius.

Zweikreis-Hochtem­peratur-Wärme­pum­pe

Im Wohnbereich findet vor allem ein Modell Anwendung: die Zweikreis-Hochtemperatur-Wärmepumpe. Ein Einfamilienhaus kann damit mit bis zu 90 Grad heißem Heizwasser ver­sorgt werden. Wie der Name schon vermuten lässt, arbeitet sie mit zwei nacheinander geschalteten Kälte­mittelkreisläufen. Der erste gestaltet sich dabei wie bei einer herkömm­li­chen Wärmepumpe und führt zu ei­ner Vorlauftemperatur von rund 40 Grad Celsius. Diese wird dann im zweiten Kreislauf weiter erhöht. Als Verdampfer fungiert dabei der Ver­flüssiger des ersten Kreislaufes. Au­ßerdem kommt ein anderes Kälte­mittel zum Einsatz, welches auf die höhere Eingangstemperatur ausge­legt ist. Verdichter und Ventile sind derweil an den mit der höheren Komprimierung einhergehenden Druck angepasst.

Propan braucht nur ei­nen Kältekreis für hohe Vorlauftemperaturen

Die neuesten Wärmepumpen nutzen das natürliche Kältemittel Propan. Damit kom­men sie schon bei einem Druck von unter 28 bar auf Vorlauf­tem­peraturen von bis zu 75 Grad. Ein zweiter Kältemittel-Kreislauf ist daher nicht erfor­der­lich. Ein weiterer Vorteil von Propan: Es hat im Gegensatz zu den meisten Kältemitteln nur ein geringes Treibhauspotenzial. Es darf somit auch in Zukunft verwendet werden. Und es bringt dir bei der Förderung einen Bo­nus von 5 Prozent ein.

Der Wärmepumpentest der Stiftung Warentest hat 2024 zwei Propan-Wärmepumpen als Testsieger hervorgebracht: Die Buderus Logatherm WLW186i 10AR schafft bis zu 75 Grad. Bei der Weishaupt Aerodock WAB 11 ist eine Vorlauftemperatur von bis zu 70 Grad möglich. Auch die drittplatzierte Wärmepumpe, die LG Electronics Therma V, arbei­tet mit Propan und kann Heiz­was­ser auf bis zu 75 Grad erhit­zen.

CO2-Wärmepumpe

Vor allem in der Industrie kommen Hochtemperaturwärmepumpen zum Einsatz, die CO2 als Kältemittel nutzt. Damit erreichen diese Wärmepum­pen mit einer Quelltemperatur von 35 Grad Vorlauftemperaturen von bis zu 90 Grad Celsius. Als Wärmequellen dienen indus­triel­le Abwärme sowie Kühl- oder Ab­wässer. Es findet also eine Wärme­rück­gewinnung statt. Da CO2-Wär­me­pumpen sehr aufwändig in der Herstellung sind, kommen sie vor allem dann zur Anwendung, wenn viel Wärme benötigt wird – beispiels­weise zur Bereitstellung von Fern­wär­me.

Heißgas-Wärme­pum­pe

Eine besondere Form der Hochtem­pe­ratur-Wärmepumpe ist die Heiß­gas-Wärmepumpe. Bei dieser wird ein Teil des komprimierten Kälte­mittels (= Heißgas) direkt vom Ver­dichter abgeleitet, um dann von ei­nem zusätzlichen Wärmetauscher auf 65 Grad Celsius gebracht zu werden. Anschließend wird die Wär­me auf einen Pufferspeicher übertra­gen. Das darin befindliche Wasser dient in diesem Fall allerdings nicht zum Heizen, sondern als Brauchwas­ser.

Eine solche Hochtemperatur-Wärme­pumpe ist also weniger für Altbauten mit hohen Vorlauftemperaturen ge­eig­net. Viel eher bietet sie sich für Gebäude wie Neubauten an, in de­nen die Vorlauftemperatur niedrig genug für den Einsatz einer her­kömm­lichen Wärmepumpe ist. Die kann jedoch nicht die 60 Grad Cel­si­us liefern, die zum Vermeiden ge­sundheitsgefährdender Legionellen im Trinkwasser erforderlich sind. Die­ses muss somit auf andere Weise erhitzt werden. Mit einer Heißgas-Hochtemperatur-Wärmepumpe las­sen sich die unterschiedlichen An­forderungen bedienen.

Vorteile einer Hochtemperatur-Wärmepumpe

Hochtemperatur-Wärmepumpen sind also vielseitig einsetzbar: um den hohen Wärmebedarf unsanierter Altbauten zu decken, um für keim­frei­es Trinkwasser in Neubauten zu sorgen oder in der Industrie. Je nach Gegebenheit kann eine Hochtempe­ra­tur-Wärmepumpe sowohl im Einfamilienhaus als auch im Mehrfa­milienhaus oder in einer gan­zen Wohnanlage die Wärmever­sor­gung übernehmen.

Du sparst Sanie­rungs­kosten

Was sie besonders für Altbauten attraktiv macht: Eine Hochtempe­ra­tur-Wärmepumpe bekommt dein Haus auch dann warm, wenn du keine weiteren Sanierungsmaß­nah­men vornimmst. Dadurch sparst du dir die Arbeiten und Ausgaben für Dämmung, neue Fenster und den Einbau einer Fußbodenheizung. So kann eine Fassadendämmung schnell mit mehreren 10.000 Eu­ro zu Buche schlagen.

Bei manchen Altbauten sind zusätz­liche Sanierungen auch gar nicht so einfach umzusetzen. Steht ein Ge­bäu­de unter Denkmalschutz, sind viele Auflagen einzuhalten. Aber auch ohne diese können sich Dämm­maßnahmen schwierig gestalten – beispielsweise, weil dir der Dach­über­hang für eine Außendämmung fehlt oder du nicht willst, dass eine Innendämmung deine Räume ver­klei­nert. Auch das Nachrüsten mit einer Fußbodenheizung ist nicht in jedem Raum einfach so möglich.

Unkomplizierter Um­stieg auf erneuerba­re Energien

Eine Hochtemperatur-Wärmepumpe ermöglicht es dir also, ohne großen Aufwand von einem fossilen auf ein regeneratives Heizsystem umzu­rüs­ten. Statt deiner derzeitigen Gas- oder Ölheizung kann sie dann in Zu­kunft für hohe Vorlauftempera­tu­ren sorgen. Dabei hat sie auch anderen umweltschonenden Heizungsarten einiges voraus:

  • Pelletheizung: Für eine Pellet­heizung muss du im Haus über einen ausreichend großen Raum zur Lagerung der Pellets verfügen. Eine Hochtemperatur-Luftwärmepumpe benötigt da­gegen nur etwas Platz im Gar­ten für ihre Außeneinheit. Auch die Zeit für Kauf und Lieferung der Pellets sowie die Besuche vom Schornsteinfeger bleiben dir mit einer Hochtemperatur-Wärmepumpe erspart.
  • EE-Hybridheizung: Du kannst auch eine Standard-Wärme­pum­pe mit einer Solarthermie-Anlage, einem Kaminofen oder beidem kombinieren. Da­für musst du aber mehrere Wärmeerzeuger kaufen und diese dann auch alle warten lassen. Eine Hochtemperatur-Wärmepumpe sorgt dagegen ganz allein für Wärme.

Nutzung von PV-Strom

Ein weiterer Vorteil gegenüber Ver­brenner-Heizungen: Du kannst eine Hochtemperatur-Wärmepumpe mit einer Photovoltaik-Anlage koppeln. Dann arbeitet sie in sonnenreichen Stunden vollständig mit Umwelt­ener­gie. Solarstrom zu nutzen, ist nicht nur ökologisch, sondern spart auch Kosten und macht deine PV-Anlage wirtschaftlicher. Den Rest der Zeit solltest du auf Ökostrom als Antriebsenergie setzen. Denn zum allgemeinen Strommix tragen der­zeit noch fossile Energieträger wie Kohle und Gas bei.

Grafik eines Hauses mit Erdwärmepumpe und PV-Anlage
Eine Hochtemperatur-Wärmepumpe kann mit einer PV-Anlage verbunden werden und lässt sich dann kostengünstig mit Solarstrom betreiben. | Bild: bilderzwerg – stock.adobe.com

Förderung von bis zu 70 Prozent

Da eine Hochtemperatur-Wärme­pum­pe zum großen Teil erneuerbare Energien nutzt, wird ihre Anschaf­fung und Installation staatlich geför­dert. So erhältst du bei der Heizungs­förderung im Rahmen der BEG einen Zuschuss von mindestens 30 Pro­zent.

Entscheidest du dich für eine Wär­me­quelle mit durchgängig hoher Temperatur – also Erdboden, Grund­wasser oder Abwasser –, bringt dir dies aufgrund höherer Effizienz ei­nen Bonus von 5 Prozent ein. Glei­ches gilt, wenn deine Wärmepumpe ein natürliches Kältemittel wie Pro­pan verwendet.

Um weitere 20 Prozent erhöht sich der Fördersatz, wenn du mit der Hochtemperatur-Wärmepumpe ein altes fossiles Heizsystem ersetzt. Dieser Klimageschwindigkeitsbonus greift auch dann, wenn dein alter Gas- oder Ölkessel von der nach § 72 GEG vorgeschriebenen Austausch­pflicht betroffen ist.

Beträgt dein Haushaltsjahres­ein­kommen weniger als 40.000 Euro, erhältst du außerdem den Einkom­mens­bonus in Höhe von 30 Prozent.

Insgesamt übernimmt der Staat bis zu 70 Prozent der Investitionskosten – bei einem Einfamilienhaus bis zu 21.000 Euro.

Wärmepumpen-Wahl leicht gemacht

Du möchtest wissen, welche Wärmepumpe zu deinem Zuhause passt? Wir ermitteln für dich geeignete Modelle. Kontakt zu Fachbetrieben, die Erfahrungen mit deren Einbau haben, gibt es gratis dazu.

Beratung starten

Nachteile einer Hochtemperatur-Wärmepumpe

Trotz all dieser Vorteile: Eine Hoch­tem­peratur-Wärmepumpe ist für Altbauten nicht automatisch die beste Heizung. Höhere Vor­lauftemperaturen bedeuten immer auch höhere Stromkosten.

Hohe Anschaf­fungs­kosten

Schon bei der Anschaffung schlagen Wärmepumpen mit hohen Preisen zu Buche. Hochtemperatur-Wärmepum­pen sind aufgrund ihrer höheren Leistung teils teurer als Standard-Wärmepumpen. Auch die Wahl von Hersteller und Modell beeinflusst die Höhe des Kaufpreises. Im Durchschnitt liegt dieser zwischen 8.000 und 16.000 Euro. Es gibt aber auch Modelle, für die du über 20.000 Euro zahlst.

Hinzu kommen dann noch die Kos­ten für die Installation. Bei einer Luftwärmepumpe verläuft diese meist ohne größeren Aufwand. Bei Erd- und Grundwasser-Wärmepum­pen muss dagegen erst die Wärme­quel­le erschlossen werden. Dafür bedarf es genehmigungspflichtiger Erdarbeiten. Die höhere Effizienz, die du dadurch erzielst, bringt dir zwar einen Bonus bei der Förderung ein. Dafür hast du aber auch höhere Ausgaben.

Insgesamt liegen die Kosten für eine Hochtemperatur-Wärmepumpe bei durchschnittlich 20.000 bis 40.000 Euro. Ausschlaggebend ist dabei auch, wie viel die Installateure für ihre Arbeit berechnen. Lass dir daher von mehreren Heizungsfachbetrie­ben ein Angebot machen. Dann kannst du dir das günstigste heraus­suchen.

Höherer Stromver­brauch

Die im Vergleich zu anderen Heiz­sys­temen hohen Anschaffungskosten gleichen Wärmepumpen normaler­weise durch niedrigere Heizkosten aus. So haben Standard-Wärme­pumpen einen Wirkungsgrad von 300 bis 500 Prozent. Bei alten Öl- und Gas­heizungen beträgt der Wirkungsgrad dagegen nicht einmal 100 Prozent. So brau­chen Wärmepumpen durch die Nut­zung von Umweltenergie nur 1 kWh Strom, um auf 3 bis 5 kWh Wärme zu kommen. Dafür darf jedoch der Temperaturhub nicht zu groß ausfal­len. Genau das ist aber der Fall, wenn eine Hochtemperatur-Wärmepumpe eine Vorlauftemperatur von 70 Grad oder mehr bereitstellen soll.

ℹ️ Tipp: Warum die Effizienz einer Wärmepumpe ab einer Vorlauftem­peratur von 55 Grad rapide abnimmt, erklärt der Energiesparkommissar in diesem Video:

So kommt eine herkömmliche Luft­wärmepumpe bis zu einer Vorlauf­tem­peratur von 55 Grad Celsius auf eine Jahresarbeitszahl (JAZ) von 3. Jedes weitere Grad, das geleistet wer­den muss, senkt diese um rund 6 Prozent. Der Grund dafür: Je stärker das Kältemittel komprimiert wer­den muss, desto mehr Strom wird benötigt. Zwar arbeiten Hochtem­pe­ratur-Wärmepumpen etwas effizien­ter als Standard-Wärmepumpen. Aber um bei gleicher Quelltempera­tur eine Vorlauftemperatur von 70 Grad Celsius zu erreichen, kommen auch sie nur auf eine JAZ von rund 2. Strom macht dann 50 Prozent der erzeugten Wärmeenergie aus. Da Strom circa dreimal so viel kostet wie andere Energieträger, ist eine Wärmepumpe nur mit einer Jahres­arbeitszahl von mindestens 3 wirk­lich wirtschaftlich.

ℹ️ Tipp: Du sparst Heizkosten, wenn du Wärmepumpenstrom nutzt oder deine Wärmepumpe mit einem dynamischen Stromtarif betreibst.

Andere Heizsysteme sind wirtschaftlicher

Eine niedrige Jahresarbeitszahl in Kombination mit einem hohen Strom­preis macht eine Hochtempe­ratur-Wärmepumpe nicht gerade zu einem günstigen Heizsystem. Bei einer Pelletheizung hast du ähnlich hohe Anschaffungskosten, jedoch niedrigere Energiepreise. So beträgt der Pelletpreis 2026 durchschnittlich 8 Cent je kWh. Strom kostet dagegen meist mindestens 25 Cent je kWh. Hat also die Hochtemperatur-Wär­me­pumpe eine Jahresarbeitszahl von unter 3, heizt du mit ihr weniger wirtschaftlich als mit einer Pellet­hei­zung. Da diese das Heizwasser mit­tels Verbrennung erhitzt, kann sie problemlos hohe Vorlauftempera­tu­ren erreichen.

Auch die Kombination einer Wärme­pumpe mit Solarthermie kann sich lohnen. Eine Solarthermie-Anlage zur Heizungsunterstützung trägt durch­schnittlich zu 25 Prozent zur Erhit­zung des Heizwassers bei. Da sie im Sommer die Brauchwasser-Erwär­mung komplett übernehmen kann, macht sie sich auch gut in Kombina­tion mit einer Pelletheizung. Diese kannst du dann im Sommer aus­schal­ten und dadurch Pellets sparen.

Weiterhin hoher Energieverbrauch

So liegt gerade beim Heizen großes Energiesparpotenzial. Denn dessen Anteil am Energieverbrauch eines durchschnittlichen Haushalts be­trägt über 70 Prozent. Das liegt unter anderem daran, dass über 60 Pro­zent aller Gebäude in Deutschland nicht ausreichend gedämmt und luftdicht sind. Dadurch verzeichnen sie Wärmeverluste von bis zu 80 Prozent und machen so hohe Vor­lauf­temperaturen erforderlich. Da eine Hochtemperatur-Wärmepumpe diese liefern kann, entfällt die Not­wen­digkeit einer energetischen Sa­nierung.

Wenn du jedoch sanierst, sparst du Energie und somit Heizkosten. Denn je mehr Wärme du im Gebäude hältst, desto weniger stark muss das Heizwasser erhitzt werden. Und sind die Vorlauftemperaturen niedriger, genügt schon eine herkömmliche Wärmepumpe, um sie bereitzu­stel­len. Du verlierst dadurch nicht nur weniger Heizungswärme. Diese kommt dann auch viel effizienter zustande.

Thermografie eines Hauses + Energieausweis
Indem du dein Dach dämmst und isolierver­glaste Fenster einsetzt, senkst du deinen Wärmebedarf und kannst ihn dann effizient mit einer herkömmlichen Wärmepumpe decken. | Bild: Ingo Bartussek – stock.adobe.com

Um dies zu erreichen, ist nicht gleich eine komplette Sanierung erforder­lich. So können schon einzelne Maß­nahmen eine große Wirkung haben. Eine Dachdämmung beziehungs­wei­se das Dämmen der obersten Ge­schoss­de­cke reduziert die Wärme­verluste um rund 20 Prozent. Durch den Austausch deiner alten Fenster kannst du diese um circa 15 Prozent senken. Natürlich sind damit zusätz­liche Kosten verbunden. Allerdings gibt es auch hierfür Förderung. Und da du bei geringerem Wärmebedarf weniger Energie zum Heizen benö­tigst, werden dich dann auch weitere Preisanstiege bei Strom und Co. we­niger stark treffen.

Was du vor der Wahl ei­ner Wärmepumpe tun solltest
  1. Ermittle deinen Wärme­bedarf. So geht's: Du brauchst dafür deinen jähr­lichen Gas- oder Ölver­brauch. 1 Kubikmeter Gas und 1 Liter Heizöl entspre­chen jeweils etwa 10 kWh. Wenn du auch dein Warm­wasser per Heizkessel er­hitzt, ziehst du im nächs­ten Schritt von deinem Verbrauch pro Hausbe­woh­ner 1.000 kWh ab. Teile den Wert dann durch die be­heiz­te Wohnfläche (z. B. 20.000 kWh / 150 qm = 133,33 kWh/qm). Liegt der Wert unter 150 kWh/qm pro Jahr, wirst du wahr­schein­lich keine hohe Vor­lauftemperatur brauchen, um dein Haus warm zu be­kommen.
  2. Senke an mehreren kalten Tagen schrittweise die Vorlauftemperatur. Schau dabei, ob auch weiterhin überall die gewünschte Raumtemperatur erreicht wird.
  3. Lass eine Heizlast-Be­rech­nung erstellen, wenn dies in einigen Räumen nicht der Fall ist. So findest du heraus, wie groß deine Heizkörper dort sein müs­sen, um auch bei niedrige­rer Vorlauftemperatur für ausreichend Wärme zu sor­gen.
  4. Tausche zu kleine Heiz­kör­per gegen größere oder leistungsfähigere aus. Die­se haben mehr Heizble­che oder nutzen Lüfter und können so auch bei weni­ger heißem Heizwasser ge­nug Wärme an den Raum abgeben.
  5. Lass einen hydraulischen Abgleich durchführen. Da­durch stellst du sicher, dass alle deine Heizkörper gleichmäßig mit Heizwas­ser versorgt werden. Es kann nämlich sein, dass deine Vorlauftempe­ra­tur erhöht wurde, weil manche Räume zu wenig Heizungswasser erhielten und die Heizkörper da­durch nicht richtig warm wurden. Denn: Je heißer das Wasser, desto mehr Wärme kann auch schon bei geringer Menge abge­ge­ben werden.

Fazit: Wann sich eine Hochtem­pe­ratur-Wärme­pumpe lohnt

Was das Erhitzen von Heizwasser auf Vorlauftemperaturen von 60, 70 oder mehr Grad angeht, steht eine Hoch­temperatur-Wärmepumpe Öl- oder Gasheizungen in nichts nach. Sie ist dabei sogar effizienter und vor allem umweltschonender. Für schlecht ge­dämmte Altbauten bedeutet das: Ein reiner Heizungstausch reicht. Solltest du also den energetischen Zustand deines Hauses nicht ver­bessern können – zum Beispiel, weil es sich um ein denkmalgeschütztes Gebäude handelt –, kann eine Hoch­temperatur-Wärmepumpe für dich eine Heizoption sein.

So stellt sie eine Alternative zur Pel­letheizung dar, wenn dir der Raum zur Lagerung der Pellets fehlt oder du nicht mit Holz heizen möchtest.

Hast du bereits eine Photovoltaik-Anlage oder planst du deren An­schaf­fung, dann steigerst du deinen Eigenverbrauch, wenn du einen Teil des Solarstroms für die Wärmepum­pe nutzt. An sonnigen Tagen sind dann auch deren Stromkosten nie­dri­ger.

Ebenfalls in Erwägung ziehen kannst du eine Hochtemperatur-Wärme­pum­pe für Altbauten, die zwar be­reits teilweise saniert sind, aber de­ren Vorlauftemperaturen bei um die 55 Grad Celsius liegen. Eine her­kömml­iche Wärmepumpe ist zwar in der Lage, diese bereitzustellen. Dafür muss sie jedoch sehr oft volle Leis­tung bringen, was zu Lasten ihrer Effizienz geht. Die Hochtemperatur-Wärmepumpe hingegen meistert den Grenzbereich spielend und könnte somit die bessere Wahl sein.

Welches Heizsystem für dein Haus das beste wäre, können dir ein Ener­gieberater oder die Mitarbeiter eines Heizungsfachbetriebs sagen. Diese machen sich vor Ort ein Bild von den Gegebenheiten und können dabei auch überprüfen, ob deine Heizkurve korrekt eingestellt ist. Möglicher­weise brauchst du gar keine so ho­hen Vorlauftemperaturen, um deine Räume warm zu bekommen. In dem Fall kämst du schon mit einer Stan­dard-Wärmepumpe aus.

Meine Empfehlung: Nicht von gestern auf morgen schließen

Du heizt derzeit mit einer Vor­lauf­temperatur von 70 Grad Cel­sius oder mehr? Du gehst daher davon aus, dass als neues Heiz­system nur eine Hochtempe­ra­tur-Wärmepumpe infrage kommt?

⛔️ Falsch! Früher sind die Instal­lateure häufig auf Nummer si­cher gegangen: Sie haben die Heizkörper lieber etwas größer gewählt und die Vorlauftem­pe­ratur etwas höher eingestellt, um später nicht nachjustieren zu müssen, weil der Kunde friert. Viele Altbauten bräuchten also eigentlich gar kein 70 Grad heißes Heizwasser. Und wenn doch, musst du meist nur ein­zelne Heizkörper tauschen, um die Vorlauftemperatur zu sen­ken. Oft reicht das schon aus, um dein Haus fit für eine Stan­dard-Wärmepumpe zu machen. Die ist günstiger, effizienter und beschert dir geringere Heizkos­ten.

Frau mit braunen Haaren und schwarzem Oberteil vor grünem Hintergrund lächelt in die Kamera.
Ariane Müller

Fachredakteurin für Energiethemen

Ich recherchiere und rechne, analysiere Forschungsdaten und Förderprogramme – damit du auf einen Blick erfährst, welche Maßnahmen sich für dein Haus lohnen. Als Altbau-Besitzerin weiß ich aus eigener Erfahrung, wie kostspielig Sanierungen sein können und wie wichtig es ist, gut informiert zu sein.

Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Hochtemperatur-Wärmepumpen

Was ist der Unterschied zwischen einer Hochtem­peratur-Wärmepumpe und einer herkömmli­chen Wärmepumpe?

Eine "normale" Wärmepumpe ar­beitet am effizientesten bei nie­drigen Vorlauftemperaturen (ca. 35°C bis 55°C), was sie ideal für Fußbodenheizungen oder sehr gut gedämmte Neubauten macht. Eine Hochtemperatur-Wärmepumpe hingegen ist speziell dafür konzi­piert, Vorlauftemperaturen von 65°C, 70°C oder sogar bis zu 75°C zu erreichen. Dies geschieht oft durch spezielle Kältemittel – wie Propan/R290 – oder einen zweistu­figen Kältekreisprozess. Ihr Haupt­zweck ist es, Gebäude zu beheizen, die nicht optimal gedämmt sind oder alte Heizkörper nutzen.

Muss ich meine alten Heizkörper austauschen, wenn ich eine Hochtem­peratur-Wärmepumpe installiere?

In den meisten Fällen: Nein.

Das ist der größte Vorteil dieses Systems. Da die Hochtemperatur-Wärmepumpe ähnlich hohe Tem­peraturen liefern kann wie ein alter Öl- oder Gaskessel, können die vorhandenen Glieder- oder Platten­heizkörper oft weiterverwendet werden. Du musst das Haus also nicht aufwendig auf eine Fußbo­den­heizung umrüsten.

Es kann dennoch sinnvoll sein, einzelne, sehr kleine Heizkörper gegen größere Modelle auszutau­schen, um die Vorlauftemperatur etwas zu senken. Das spart lang­fristig Stromkosten.

Für welche Gebäude ist eine Hochtemperatur-Wärmepumpe geeignet?

Sie ist die ideale Lösung für den Altbau und Bestandsgebäude, die energetisch noch nicht oder nur teilweise saniert wurden.

Die Hochtemperatur-Wärmepum­pe ist meist die technisch sinn­vollste Option, wenn du in einem Haus wohnen, bei dem:

  • eine Fassadendämmung derzeit zu teuer oder aus Denkmalschutzgründen nicht möglich ist,
  • du keine Wände oder Böden aufreißen willst,
  • aber dennoch weg von Öl und Gas möchtest.

Werden Hochtemperatur-Wärmepumpen staatlich gefördert?

Ja. Für die Förderung ist nicht die Art der Wärmepumpe – Hoch- oder Niedertemperatur – entscheidend, sondern deren Effizienz und der Einsatz erneuerbarer Energien.

Hochtemperatur-Wärmepumpen erfüllen in der Regel die geforder­ten technischen Mindeststan­dards. Sie erhalten daher die glei­chen Fördersätze wie andere Wär­mepumpen, was bis zu 70 % der Kosten decken kann.

Wärmepumpen-Wahl leicht gemacht

Du möchtest wissen, welche Wärmepumpe zu deinem Zuhause passt? Wir ermitteln für dich geeignete Modelle. Kontakt zu Fachbetrieben, die Erfahrungen mit deren Einbau haben, gibt es gratis dazu.

Beratung starten