Ist eine Hochtemperatur-Wärmepumpe für Altbauten sinnvoll?
Mit einer Hochtemperatur-Wärmepumpe bekommst du einen Altbau warm, ohne ihn vorher sanieren zu müssen. Doch was bedeutet das für deine Heizkosten? Hier erfährst du, welche Vor- und Nachteile eine Hochtemperatur-Wärmepumpe hat und warum du vielleicht gar keine brauchst.
Das solltest du über Hochtemperatur-Wärmepumpen wissen
Die Hochtemperatur-Wärmepumpe – Ein Heizsystem mit Höhen und Tiefen
✅ Was für eine Hochtemperatur-Wärmepumpe spricht:
Sie macht es möglich, auch einen kaum sanierten Altbau mit einer Wärmepumpe zu beheizen. Weitere Kosten für Dämmung, Fenstertausch oder den Einbau einer Fußbodenheizung bleiben aus. Der Wechsel von einer Öl- oder Gasheizung ist dadurch schnell gemacht. Dabei profitierst du auch von der derzeit hohen staatlichen Förderung.
❌ Was bei einer Hochtemperatur-Wärmepumpe problematisch ist:
Die Anschaffungskosten sind hoch. Und – anders als bei herkömmlichen Wärmepumpen – fallen auch die Heizkosten höher aus als bei ihren Kollegen. Denn um auf hohe Vorlauftemperaturen zu kommen, braucht eine Hochtemperatur-Wärmepumpe einiges an Strom. Je mehr sie leistet, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit von frühzeitigem Verschleiß.
Inhalt
- Was ist eine Hochtemperatur-Wärmepumpe?
- Wie eine Wärmepumpe Wasser warm werden lässt
- Warum Hochtemperatur-Heizwasser Wärmepumpen herausfordert
- Varianten der Hochtemperatur-Wärmepumpe
- Vorteile einer Hochtemperatur-Wärmepumpe
- Nachteile einer Hochtemperatur-Wärmepumpe
- Fazit: Wann sich eine Hochtemperatur-Wärmepumpe lohnt
- Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Hochtemperatur-Wärmepumpen

Was ist eine Hochtemperatur-Wärmepumpe?
Hochtemperatur-Wärmepumpen können Vorlauftemperaturen von mehr als 55 Grad Celsius liefern. Dafür besitzen sie größere Verdichter und teils zusätzliche Bauteile. Manche arbeiten mit Kältemitteln, die schon bei geringem Druck viel Wärme aufnehmen können.
Teilweise wird noch einmal in Mittel- und Hochtemperatur-Wärmepumpen unterschieden. Mitteltemperatur-Wärmepumpen kommen auf Vorlauftemperaturen zwischen 55 und 80 Grad Celsius. Als Hochtemperatur-Wärmepumpen gelten dann nur solche, die mindestens 80 Grad Celsius schaffen. Letztere kommen vorrangig in der Industrie zum Einsatz. Für die direkte Wärmeversorgung von Wohngebäuden reichen Vorlauftemperaturen im mittleren Bereich.
Wie eine Wärmepumpe Wasser warm werden lässt
Die Wärmepumpe erhitzt, Heizwasser auf ein bestimmtes Temperaturniveau – die sogenannte Vorlauftemperatur. Das Wasser fließt dann über Rohrleitungen zu den Heizflächen, welche die Wärme an die Räume abgeben. Der energetische Zustand des Hauses und die Art der Heizflächen – Heizkörper oder Fußbodenheizung – entscheiden darüber, wie hoch die Vorlauftemperatur ausfallen muss.
Je schlechter ein Gebäude gedämmt ist und je kleiner die wärmeübertragenden Flächen sind, desto heißer muss das Heizwasser sein. Mit einer herkömmlichen Wärmepumpe eine hohe Vorlauftemperatur zu erreichen, ist jedoch ineffizient und ab einem gewissen Grad technisch nicht realisierbar.
Der Grund hierfür liegt in der Funktionsweise der Wärmepumpe:
- Die Wärmepumpe entnimmt einer Umweltquelle (Luft, Erde oder Grundwasser) Wärmeenergie.
- Diese Wärme überträgt sie mittels eines Wärmetauschers (Verdampfer) auf ein flüssiges Kältemittel. Das Kältemittel wird daraufhin gasförmig.
- Als Gas gelangt es dann zu einem Kompressor (Verdichter). Dieser wird durch Strom angetrieben und übt Druck auf das Kältemittel aus, damit es zusätzliche Wärme aufnimmt. Dies tut er solange, bis die benötigte Vorlauftemperatur erreicht ist.
- Ein zweiter Wärmetauscher (Verflüssiger) überträgt die Wärme dann auf das Heizwasser. Dadurch kühlt sich das Kältemittel ab und wird wieder flüssig.
- Nachdem es am Entspannungsventil dekomprimiert wurde, durchläuft es den Kreislauf erneut.

Warum Hochtemperatur-Heizwasser Wärmepumpen herausfordert
In vielen Altbauten verlangt das Heizsystem schon bei moderaten Außentemperaturen nach Vorlauftemperaturen von 65 Grad Celsius und mehr. Sinken die Temperaturen draußen in den Minusbereich, steigen die Wärmeverluste und mit ihnen die benötigte Vorlauftemperatur. In extremen Fällen geht sie auf über 90 Grad Celsius hoch.
Die Gründe:
- Oft fehlt es in Altbauten an ausreichender Dämmung. Dadurch geht viel Wärme durch Wände, Dach und Boden verloren. Um die Wärmeverluste auszugleichen, muss viel und häufig nachgeheizt werden.
- Zur Übertragung der Wärme dienen meist Heizkörper. Diese haben nur eine kleine Übertragungsfläche. Sie brauchen daher sehr heißes Wasser, um ausreichend Wärme abgeben zu können.
Für eine Standard-Wärmepumpe ist eine Vorlauftemperatur von 65, 70 oder mehr Grad jedoch nicht zu schaffen. Denn je höher die Vorlauftemperatur, desto größer ist der Temperaturhub, den sie zu überwinden hat. Dabei handelt es sich um den Abstand von der Vorlauf- zur Quelltemperatur.
Bei Wasser-Wasser-Wärmepumpen und mit Erdwärmesonden arbeitenden Sole-Wasser-Wärmepumpen liegt die Quelltemperatur auch im Winter bei rund 10 Grad Celsius. Luftwärmepumpen und Sole-Wasser-Wärmepumpen mit Flächenkollektoren bekommen es an sehr kalten Tagen dagegen auch schon einmal mit Minustemperaturen zu tun.
Je niedriger die Quelltemperatur und je höher die Vorlauftemperatur ist, desto stärker muss das Kältemittel komprimiert werden. Dabei geraten jedoch sowohl viele Kältemittel als auch einige Bauteile schnell an ihre Grenzen. Vorlauftemperaturen von über 55 Grad Celsius bereitzustellen, ist daher für eine Standard-Wärmepumpe technisch meist nicht möglich.
🎧 Noch mehr Informationen zu Hochtemperatur-Wärmepumpen bei uns im Podcast:
Varianten der Hochtemperatur-Wärmepumpe
Da jedoch hohe Vorlauftemperaturen in verschiedenen Bereichen gebraucht werden, entwickelten Wärmepumpenhersteller Modelle, die in der Lage sind, diese zu liefern: Hochtemperatur-Wärmepumpen. Je nach Bauart kommen sie auf bis zu 120 Grad Celsius.
Zweikreis-Hochtemperatur-Wärmepumpe
Im Wohnbereich findet vor allem ein Modell Anwendung: die Zweikreis-Hochtemperatur-Wärmepumpe. Ein Einfamilienhaus kann damit mit bis zu 90 Grad heißem Heizwasser versorgt werden. Wie der Name schon vermuten lässt, arbeitet sie mit zwei nacheinander geschalteten Kältemittelkreisläufen. Der erste gestaltet sich dabei wie bei einer herkömmlichen Wärmepumpe und führt zu einer Vorlauftemperatur von rund 40 Grad Celsius. Diese wird dann im zweiten Kreislauf weiter erhöht. Als Verdampfer fungiert dabei der Verflüssiger des ersten Kreislaufes. Außerdem kommt ein anderes Kältemittel zum Einsatz, welches auf die höhere Eingangstemperatur ausgelegt ist. Verdichter und Ventile sind derweil an den mit der höheren Komprimierung einhergehenden Druck angepasst.
Propan braucht nur einen Kältekreis für hohe Vorlauftemperaturen
Die neuesten Wärmepumpen nutzen das natürliche Kältemittel Propan. Damit kommen sie schon bei einem Druck von unter 28 bar auf Vorlauftemperaturen von bis zu 75 Grad. Ein zweiter Kältemittel-Kreislauf ist daher nicht erforderlich. Ein weiterer Vorteil von Propan: Es hat im Gegensatz zu den meisten Kältemitteln nur ein geringes Treibhauspotenzial. Es darf somit auch in Zukunft verwendet werden. Und es bringt dir bei der Förderung einen Bonus von 5 Prozent ein.
Der Wärmepumpentest der Stiftung Warentest hat 2024 zwei Propan-Wärmepumpen als Testsieger hervorgebracht: Die Buderus Logatherm WLW186i 10AR schafft bis zu 75 Grad. Bei der Weishaupt Aerodock WAB 11 ist eine Vorlauftemperatur von bis zu 70 Grad möglich. Auch die drittplatzierte Wärmepumpe, die LG Electronics Therma V, arbeitet mit Propan und kann Heizwasser auf bis zu 75 Grad erhitzen.
CO2-Wärmepumpe
Vor allem in der Industrie kommen Hochtemperaturwärmepumpen zum Einsatz, die CO2 als Kältemittel nutzt. Damit erreichen diese Wärmepumpen mit einer Quelltemperatur von 35 Grad Vorlauftemperaturen von bis zu 90 Grad Celsius. Als Wärmequellen dienen industrielle Abwärme sowie Kühl- oder Abwässer. Es findet also eine Wärmerückgewinnung statt. Da CO2-Wärmepumpen sehr aufwändig in der Herstellung sind, kommen sie vor allem dann zur Anwendung, wenn viel Wärme benötigt wird – beispielsweise zur Bereitstellung von Fernwärme.
Heißgas-Wärmepumpe
Eine besondere Form der Hochtemperatur-Wärmepumpe ist die Heißgas-Wärmepumpe. Bei dieser wird ein Teil des komprimierten Kältemittels (= Heißgas) direkt vom Verdichter abgeleitet, um dann von einem zusätzlichen Wärmetauscher auf 65 Grad Celsius gebracht zu werden. Anschließend wird die Wärme auf einen Pufferspeicher übertragen. Das darin befindliche Wasser dient in diesem Fall allerdings nicht zum Heizen, sondern als Brauchwasser.
Eine solche Hochtemperatur-Wärmepumpe ist also weniger für Altbauten mit hohen Vorlauftemperaturen geeignet. Viel eher bietet sie sich für Gebäude wie Neubauten an, in denen die Vorlauftemperatur niedrig genug für den Einsatz einer herkömmlichen Wärmepumpe ist. Die kann jedoch nicht die 60 Grad Celsius liefern, die zum Vermeiden gesundheitsgefährdender Legionellen im Trinkwasser erforderlich sind. Dieses muss somit auf andere Weise erhitzt werden. Mit einer Heißgas-Hochtemperatur-Wärmepumpe lassen sich die unterschiedlichen Anforderungen bedienen.
Vorteile einer Hochtemperatur-Wärmepumpe
Hochtemperatur-Wärmepumpen sind also vielseitig einsetzbar: um den hohen Wärmebedarf unsanierter Altbauten zu decken, um für keimfreies Trinkwasser in Neubauten zu sorgen oder in der Industrie. Je nach Gegebenheit kann eine Hochtemperatur-Wärmepumpe sowohl im Einfamilienhaus als auch im Mehrfamilienhaus oder in einer ganzen Wohnanlage die Wärmeversorgung übernehmen.
Du sparst Sanierungskosten
Was sie besonders für Altbauten attraktiv macht: Eine Hochtemperatur-Wärmepumpe bekommt dein Haus auch dann warm, wenn du keine weiteren Sanierungsmaßnahmen vornimmst. Dadurch sparst du dir die Arbeiten und Ausgaben für Dämmung, neue Fenster und den Einbau einer Fußbodenheizung. So kann eine Fassadendämmung schnell mit mehreren 10.000 Euro zu Buche schlagen.
Bei manchen Altbauten sind zusätzliche Sanierungen auch gar nicht so einfach umzusetzen. Steht ein Gebäude unter Denkmalschutz, sind viele Auflagen einzuhalten. Aber auch ohne diese können sich Dämmmaßnahmen schwierig gestalten – beispielsweise, weil dir der Dachüberhang für eine Außendämmung fehlt oder du nicht willst, dass eine Innendämmung deine Räume verkleinert. Auch das Nachrüsten mit einer Fußbodenheizung ist nicht in jedem Raum einfach so möglich.
Unkomplizierter Umstieg auf erneuerbare Energien
Eine Hochtemperatur-Wärmepumpe ermöglicht es dir also, ohne großen Aufwand von einem fossilen auf ein regeneratives Heizsystem umzurüsten. Statt deiner derzeitigen Gas- oder Ölheizung kann sie dann in Zukunft für hohe Vorlauftemperaturen sorgen. Dabei hat sie auch anderen umweltschonenden Heizungsarten einiges voraus:
- Pelletheizung: Für eine Pelletheizung muss du im Haus über einen ausreichend großen Raum zur Lagerung der Pellets verfügen. Eine Hochtemperatur-Luftwärmepumpe benötigt dagegen nur etwas Platz im Garten für ihre Außeneinheit. Auch die Zeit für Kauf und Lieferung der Pellets sowie die Besuche vom Schornsteinfeger bleiben dir mit einer Hochtemperatur-Wärmepumpe erspart.
- EE-Hybridheizung: Du kannst auch eine Standard-Wärmepumpe mit einer Solarthermie-Anlage, einem Kaminofen oder beidem kombinieren. Dafür musst du aber mehrere Wärmeerzeuger kaufen und diese dann auch alle warten lassen. Eine Hochtemperatur-Wärmepumpe sorgt dagegen ganz allein für Wärme.
Nutzung von PV-Strom
Ein weiterer Vorteil gegenüber Verbrenner-Heizungen: Du kannst eine Hochtemperatur-Wärmepumpe mit einer Photovoltaik-Anlage koppeln. Dann arbeitet sie in sonnenreichen Stunden vollständig mit Umweltenergie. Solarstrom zu nutzen, ist nicht nur ökologisch, sondern spart auch Kosten und macht deine PV-Anlage wirtschaftlicher. Den Rest der Zeit solltest du auf Ökostrom als Antriebsenergie setzen. Denn zum allgemeinen Strommix tragen derzeit noch fossile Energieträger wie Kohle und Gas bei.

Förderung von bis zu 70 Prozent
Da eine Hochtemperatur-Wärmepumpe zum großen Teil erneuerbare Energien nutzt, wird ihre Anschaffung und Installation staatlich gefördert. So erhältst du bei der Heizungsförderung im Rahmen der BEG einen Zuschuss von mindestens 30 Prozent.
Entscheidest du dich für eine Wärmequelle mit durchgängig hoher Temperatur – also Erdboden, Grundwasser oder Abwasser –, bringt dir dies aufgrund höherer Effizienz einen Bonus von 5 Prozent ein. Gleiches gilt, wenn deine Wärmepumpe ein natürliches Kältemittel wie Propan verwendet.
Um weitere 20 Prozent erhöht sich der Fördersatz, wenn du mit der Hochtemperatur-Wärmepumpe ein altes fossiles Heizsystem ersetzt. Dieser Klimageschwindigkeitsbonus greift auch dann, wenn dein alter Gas- oder Ölkessel von der nach § 72 GEG vorgeschriebenen Austauschpflicht betroffen ist.
Beträgt dein Haushaltsjahreseinkommen weniger als 40.000 Euro, erhältst du außerdem den Einkommensbonus in Höhe von 30 Prozent.
Insgesamt übernimmt der Staat bis zu 70 Prozent der Investitionskosten – bei einem Einfamilienhaus bis zu 21.000 Euro.
Nachteile einer Hochtemperatur-Wärmepumpe
Trotz all dieser Vorteile: Eine Hochtemperatur-Wärmepumpe ist für Altbauten nicht automatisch die beste Heizung. Höhere Vorlauftemperaturen bedeuten immer auch höhere Stromkosten.
Hohe Anschaffungskosten
Schon bei der Anschaffung schlagen Wärmepumpen mit hohen Preisen zu Buche. Hochtemperatur-Wärmepumpen sind aufgrund ihrer höheren Leistung teils teurer als Standard-Wärmepumpen. Auch die Wahl von Hersteller und Modell beeinflusst die Höhe des Kaufpreises. Im Durchschnitt liegt dieser zwischen 8.000 und 16.000 Euro. Es gibt aber auch Modelle, für die du über 20.000 Euro zahlst.
Hinzu kommen dann noch die Kosten für die Installation. Bei einer Luftwärmepumpe verläuft diese meist ohne größeren Aufwand. Bei Erd- und Grundwasser-Wärmepumpen muss dagegen erst die Wärmequelle erschlossen werden. Dafür bedarf es genehmigungspflichtiger Erdarbeiten. Die höhere Effizienz, die du dadurch erzielst, bringt dir zwar einen Bonus bei der Förderung ein. Dafür hast du aber auch höhere Ausgaben.
Insgesamt liegen die Kosten für eine Hochtemperatur-Wärmepumpe bei durchschnittlich 20.000 bis 40.000 Euro. Ausschlaggebend ist dabei auch, wie viel die Installateure für ihre Arbeit berechnen. Lass dir daher von mehreren Heizungsfachbetrieben ein Angebot machen. Dann kannst du dir das günstigste heraussuchen.
Höherer Stromverbrauch
Die im Vergleich zu anderen Heizsystemen hohen Anschaffungskosten gleichen Wärmepumpen normalerweise durch niedrigere Heizkosten aus. So haben Standard-Wärmepumpen einen Wirkungsgrad von 300 bis 500 Prozent. Bei alten Öl- und Gasheizungen beträgt der Wirkungsgrad dagegen nicht einmal 100 Prozent. So brauchen Wärmepumpen durch die Nutzung von Umweltenergie nur 1 kWh Strom, um auf 3 bis 5 kWh Wärme zu kommen. Dafür darf jedoch der Temperaturhub nicht zu groß ausfallen. Genau das ist aber der Fall, wenn eine Hochtemperatur-Wärmepumpe eine Vorlauftemperatur von 70 Grad oder mehr bereitstellen soll.
ℹ️ Tipp: Warum die Effizienz einer Wärmepumpe ab einer Vorlauftemperatur von 55 Grad rapide abnimmt, erklärt der Energiesparkommissar in diesem Video:
So kommt eine herkömmliche Luftwärmepumpe bis zu einer Vorlauftemperatur von 55 Grad Celsius auf eine Jahresarbeitszahl (JAZ) von 3. Jedes weitere Grad, das geleistet werden muss, senkt diese um rund 6 Prozent. Der Grund dafür: Je stärker das Kältemittel komprimiert werden muss, desto mehr Strom wird benötigt. Zwar arbeiten Hochtemperatur-Wärmepumpen etwas effizienter als Standard-Wärmepumpen. Aber um bei gleicher Quelltemperatur eine Vorlauftemperatur von 70 Grad Celsius zu erreichen, kommen auch sie nur auf eine JAZ von rund 2. Strom macht dann 50 Prozent der erzeugten Wärmeenergie aus. Da Strom circa dreimal so viel kostet wie andere Energieträger, ist eine Wärmepumpe nur mit einer Jahresarbeitszahl von mindestens 3 wirklich wirtschaftlich.
ℹ️ Tipp: Du sparst Heizkosten, wenn du Wärmepumpenstrom nutzt oder deine Wärmepumpe mit einem dynamischen Stromtarif betreibst.
Andere Heizsysteme sind wirtschaftlicher
Eine niedrige Jahresarbeitszahl in Kombination mit einem hohen Strompreis macht eine Hochtemperatur-Wärmepumpe nicht gerade zu einem günstigen Heizsystem. Bei einer Pelletheizung hast du ähnlich hohe Anschaffungskosten, jedoch niedrigere Energiepreise. So beträgt der Pelletpreis 2026 durchschnittlich 8 Cent je kWh. Strom kostet dagegen meist mindestens 25 Cent je kWh. Hat also die Hochtemperatur-Wärmepumpe eine Jahresarbeitszahl von unter 3, heizt du mit ihr weniger wirtschaftlich als mit einer Pelletheizung. Da diese das Heizwasser mittels Verbrennung erhitzt, kann sie problemlos hohe Vorlauftemperaturen erreichen.
Auch die Kombination einer Wärmepumpe mit Solarthermie kann sich lohnen. Eine Solarthermie-Anlage zur Heizungsunterstützung trägt durchschnittlich zu 25 Prozent zur Erhitzung des Heizwassers bei. Da sie im Sommer die Brauchwasser-Erwärmung komplett übernehmen kann, macht sie sich auch gut in Kombination mit einer Pelletheizung. Diese kannst du dann im Sommer ausschalten und dadurch Pellets sparen.
Weiterhin hoher Energieverbrauch
So liegt gerade beim Heizen großes Energiesparpotenzial. Denn dessen Anteil am Energieverbrauch eines durchschnittlichen Haushalts beträgt über 70 Prozent. Das liegt unter anderem daran, dass über 60 Prozent aller Gebäude in Deutschland nicht ausreichend gedämmt und luftdicht sind. Dadurch verzeichnen sie Wärmeverluste von bis zu 80 Prozent und machen so hohe Vorlauftemperaturen erforderlich. Da eine Hochtemperatur-Wärmepumpe diese liefern kann, entfällt die Notwendigkeit einer energetischen Sanierung.
Wenn du jedoch sanierst, sparst du Energie und somit Heizkosten. Denn je mehr Wärme du im Gebäude hältst, desto weniger stark muss das Heizwasser erhitzt werden. Und sind die Vorlauftemperaturen niedriger, genügt schon eine herkömmliche Wärmepumpe, um sie bereitzustellen. Du verlierst dadurch nicht nur weniger Heizungswärme. Diese kommt dann auch viel effizienter zustande.

Um dies zu erreichen, ist nicht gleich eine komplette Sanierung erforderlich. So können schon einzelne Maßnahmen eine große Wirkung haben. Eine Dachdämmung beziehungsweise das Dämmen der obersten Geschossdecke reduziert die Wärmeverluste um rund 20 Prozent. Durch den Austausch deiner alten Fenster kannst du diese um circa 15 Prozent senken. Natürlich sind damit zusätzliche Kosten verbunden. Allerdings gibt es auch hierfür Förderung. Und da du bei geringerem Wärmebedarf weniger Energie zum Heizen benötigst, werden dich dann auch weitere Preisanstiege bei Strom und Co. weniger stark treffen.
Was du vor der Wahl einer Wärmepumpe tun solltest
- Ermittle deinen Wärmebedarf. So geht's: Du brauchst dafür deinen jährlichen Gas- oder Ölverbrauch. 1 Kubikmeter Gas und 1 Liter Heizöl entsprechen jeweils etwa 10 kWh. Wenn du auch dein Warmwasser per Heizkessel erhitzt, ziehst du im nächsten Schritt von deinem Verbrauch pro Hausbewohner 1.000 kWh ab. Teile den Wert dann durch die beheizte Wohnfläche (z. B. 20.000 kWh / 150 qm = 133,33 kWh/qm). Liegt der Wert unter 150 kWh/qm pro Jahr, wirst du wahrscheinlich keine hohe Vorlauftemperatur brauchen, um dein Haus warm zu bekommen.
- Senke an mehreren kalten Tagen schrittweise die Vorlauftemperatur. Schau dabei, ob auch weiterhin überall die gewünschte Raumtemperatur erreicht wird.
- Lass eine Heizlast-Berechnung erstellen, wenn dies in einigen Räumen nicht der Fall ist. So findest du heraus, wie groß deine Heizkörper dort sein müssen, um auch bei niedrigerer Vorlauftemperatur für ausreichend Wärme zu sorgen.
- Tausche zu kleine Heizkörper gegen größere oder leistungsfähigere aus. Diese haben mehr Heizbleche oder nutzen Lüfter und können so auch bei weniger heißem Heizwasser genug Wärme an den Raum abgeben.
- Lass einen hydraulischen Abgleich durchführen. Dadurch stellst du sicher, dass alle deine Heizkörper gleichmäßig mit Heizwasser versorgt werden. Es kann nämlich sein, dass deine Vorlauftemperatur erhöht wurde, weil manche Räume zu wenig Heizungswasser erhielten und die Heizkörper dadurch nicht richtig warm wurden. Denn: Je heißer das Wasser, desto mehr Wärme kann auch schon bei geringer Menge abgegeben werden.
Fazit: Wann sich eine Hochtemperatur-Wärmepumpe lohnt
Was das Erhitzen von Heizwasser auf Vorlauftemperaturen von 60, 70 oder mehr Grad angeht, steht eine Hochtemperatur-Wärmepumpe Öl- oder Gasheizungen in nichts nach. Sie ist dabei sogar effizienter und vor allem umweltschonender. Für schlecht gedämmte Altbauten bedeutet das: Ein reiner Heizungstausch reicht. Solltest du also den energetischen Zustand deines Hauses nicht verbessern können – zum Beispiel, weil es sich um ein denkmalgeschütztes Gebäude handelt –, kann eine Hochtemperatur-Wärmepumpe für dich eine Heizoption sein.
So stellt sie eine Alternative zur Pelletheizung dar, wenn dir der Raum zur Lagerung der Pellets fehlt oder du nicht mit Holz heizen möchtest.
Hast du bereits eine Photovoltaik-Anlage oder planst du deren Anschaffung, dann steigerst du deinen Eigenverbrauch, wenn du einen Teil des Solarstroms für die Wärmepumpe nutzt. An sonnigen Tagen sind dann auch deren Stromkosten niedriger.
Ebenfalls in Erwägung ziehen kannst du eine Hochtemperatur-Wärmepumpe für Altbauten, die zwar bereits teilweise saniert sind, aber deren Vorlauftemperaturen bei um die 55 Grad Celsius liegen. Eine herkömmliche Wärmepumpe ist zwar in der Lage, diese bereitzustellen. Dafür muss sie jedoch sehr oft volle Leistung bringen, was zu Lasten ihrer Effizienz geht. Die Hochtemperatur-Wärmepumpe hingegen meistert den Grenzbereich spielend und könnte somit die bessere Wahl sein.
Welches Heizsystem für dein Haus das beste wäre, können dir ein Energieberater oder die Mitarbeiter eines Heizungsfachbetriebs sagen. Diese machen sich vor Ort ein Bild von den Gegebenheiten und können dabei auch überprüfen, ob deine Heizkurve korrekt eingestellt ist. Möglicherweise brauchst du gar keine so hohen Vorlauftemperaturen, um deine Räume warm zu bekommen. In dem Fall kämst du schon mit einer Standard-Wärmepumpe aus.
Meine Empfehlung: Nicht von gestern auf morgen schließen
Du heizt derzeit mit einer Vorlauftemperatur von 70 Grad Celsius oder mehr? Du gehst daher davon aus, dass als neues Heizsystem nur eine Hochtemperatur-Wärmepumpe infrage kommt?
⛔️ Falsch! Früher sind die Installateure häufig auf Nummer sicher gegangen: Sie haben die Heizkörper lieber etwas größer gewählt und die Vorlauftemperatur etwas höher eingestellt, um später nicht nachjustieren zu müssen, weil der Kunde friert. Viele Altbauten bräuchten also eigentlich gar kein 70 Grad heißes Heizwasser. Und wenn doch, musst du meist nur einzelne Heizkörper tauschen, um die Vorlauftemperatur zu senken. Oft reicht das schon aus, um dein Haus fit für eine Standard-Wärmepumpe zu machen. Die ist günstiger, effizienter und beschert dir geringere Heizkosten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ) zu Hochtemperatur-Wärmepumpen
Was ist der Unterschied zwischen einer Hochtemperatur-Wärmepumpe und einer herkömmlichen Wärmepumpe?
Eine "normale" Wärmepumpe arbeitet am effizientesten bei niedrigen Vorlauftemperaturen (ca. 35°C bis 55°C), was sie ideal für Fußbodenheizungen oder sehr gut gedämmte Neubauten macht. Eine Hochtemperatur-Wärmepumpe hingegen ist speziell dafür konzipiert, Vorlauftemperaturen von 65°C, 70°C oder sogar bis zu 75°C zu erreichen. Dies geschieht oft durch spezielle Kältemittel – wie Propan/R290 – oder einen zweistufigen Kältekreisprozess. Ihr Hauptzweck ist es, Gebäude zu beheizen, die nicht optimal gedämmt sind oder alte Heizkörper nutzen.
Muss ich meine alten Heizkörper austauschen, wenn ich eine Hochtemperatur-Wärmepumpe installiere?
In den meisten Fällen: Nein.
Das ist der größte Vorteil dieses Systems. Da die Hochtemperatur-Wärmepumpe ähnlich hohe Temperaturen liefern kann wie ein alter Öl- oder Gaskessel, können die vorhandenen Glieder- oder Plattenheizkörper oft weiterverwendet werden. Du musst das Haus also nicht aufwendig auf eine Fußbodenheizung umrüsten.
Es kann dennoch sinnvoll sein, einzelne, sehr kleine Heizkörper gegen größere Modelle auszutauschen, um die Vorlauftemperatur etwas zu senken. Das spart langfristig Stromkosten.
Für welche Gebäude ist eine Hochtemperatur-Wärmepumpe geeignet?
Sie ist die ideale Lösung für den Altbau und Bestandsgebäude, die energetisch noch nicht oder nur teilweise saniert wurden.
Die Hochtemperatur-Wärmepumpe ist meist die technisch sinnvollste Option, wenn du in einem Haus wohnen, bei dem:
- eine Fassadendämmung derzeit zu teuer oder aus Denkmalschutzgründen nicht möglich ist,
- du keine Wände oder Böden aufreißen willst,
- aber dennoch weg von Öl und Gas möchtest.
Werden Hochtemperatur-Wärmepumpen staatlich gefördert?
Ja. Für die Förderung ist nicht die Art der Wärmepumpe – Hoch- oder Niedertemperatur – entscheidend, sondern deren Effizienz und der Einsatz erneuerbarer Energien.
Hochtemperatur-Wärmepumpen erfüllen in der Regel die geforderten technischen Mindeststandards. Sie erhalten daher die gleichen Fördersätze wie andere Wärmepumpen, was bis zu 70 % der Kosten decken kann.
